Sarah konnte es nicht fassen : sie war gehenkt worden . Hilflos hing sie in der Schlinge die sich langsam um ihren Hals zuzog . Unwillkürlich zappelte und strampelte sie obwohl sie wusste dass dies ihre Qualen nur noch vervielfachen würde . Trotzdem sah sie alles ganz klar um sich herum : die SS-Wachmannschaften die belustigt zu ihr hochsahen , einige hatten sogar ihre Leicas hervorgeholt und fotografierten eifrig : Souvenirs für die Familie . Auf dem Appellplatz , in Reih und Glied , die anderen Männer und Frauen des Lagers, die der Hinrichtung zusehen mussten .
Sie hatte sich noch nie so hilflos und ausgeliefert gefühlt
: die Hände in Handschellen auf den Rücken gefesselt , an den
Knöcheln schwere Fussfesseln , den Hals in der rauhen Hanfschlinge
die sich mit jeder ihrer Zuckungen weiter und weiter zuzog . Das Atmen
wurde immer schwieriger, sie fühlte wie langsam der Tod näher
kam ..
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Vor wenigen Monaten noch war sie eine geachtete Ärztin in der
Berliner Charité bis sie durch die neuen Rassengesetze, die Juden
von verantwortlichen Posten ausschlossen , ihre Stelle verlor . Danach
wurde sie mehrfach durch die Gestapo verhört und mit Einweisung in
ein KZ bedroht . Da sie sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlte
, floh sie in ihre Heimatstadt Warschau . Aber auch hier sollte sie nicht
sicher sein : Polen wurde von den Deutschen überfallen und eine Jagd
auf alle polnischen Juden begann . Sarah ging in den Untergrund und schloss
sich einer Partisanengruppe an . Schon bei ihrem ersten Einsatz , einem
Überfall auf eine deutsche Kommandozentrale , wurde sie gefangen genommen
. Während alle ihre Kameraden auf der Stelle erschossen wurden , wurde
sie unter schwerer Bewachung nach Berlin gebracht, einem brutalen Verhör
unterzogen und schliesslich zum Tode durch den Galgen verurteilt . Das
Urteil sollte in dem KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin vollzogen
werden .
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Die Schlinge zog sich immer enger im ihren Hals, vergeblich rüttelte
sie an ihren Stahlfesseln , die sich erbarmunglos um ihre schmalen Handgelenke
schlossen . Die Kette, die ihre Fussfesseln verband, hing frei , rund 20
cm über dem Boden , und klirrte bei jeder ihrer Bewegungen .
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Während man in England schon längst den sogenannten "long
drop" benutzte , bei dem der Gehenkte durch eine Falltür stürzt
und meistens durch Genickbruch stirbt , war man in Nazi-Deutschland bemüht
, das Hängen so qualvoll und langsam wie möglich zu gestalten
.
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Während sie in völliger Ausgeliefertheit gegen die tödliche Umklammerung des Henkerstricks ankämpfte , kamen ihr die letzten Wochen ihrer Haft in Oranienburg wieder zu Bewusstsein : die schmutzige Todeszelle in die man sie gesperrt hatte , die Hand- und Fussfesseln , die sie Tag und Nacht tragen musste, die Demütigungen durch das Wachpersonal, die allnächtlichen Vergewaltigungen durch SS-Leute ...
Ihre Schmerzen wurden immer unerträglicher , ihr ganzes Gewicht hing an einem einzigen Punkt : dem Knoten der Henkerschlinge, den man vorsorglich so plaziert hatte , dass die ganze Prozedur nicht zu schnell vonstatten ging.
Sie hatte früher mal gelesen , dass manche Verurteilte während
des Hängens einen Orgasmus erlebten : sie empfand nur Schmerzen .
Sie fühlte dass ihr Körper immer mehr ihrer Kontrolle entglitt
, sie wollte dagegen ankämpfen , konnte aber nicht verhindern , dass
ihre Blase und ihr Darm sich entleerten , zur allgemeinen Belustigung des
Wachpersonals , die sich untereinander auf die Rinnsale aufmerksam
machten , die an Sarahs Beinen herunterliefen .
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Als sie schliesslich das Bewusstsein verlor ,
hing sie an dem Galgen wie ein nasser Sack , um den Hals das Pappschild
"Ich bin eine Partisanin und habe auf deutsche Soldaten geschossen"
das man ihr umgebunden hatte bevor man sie hängte .
Sie war noch nicht tot , ihr Herz schlug noch weitere fünf Minuten , was aber niemand kontrollierte , sie wurde einfach hängen gelassen bis zum andern Morgen . Einem Arbeitskommando wurde befohlen sie abzunehmen und zum Krematorium zu bringen . |